Filmschauspieler Claude-Oliver Rudolph bewirbt sich um Intendanz des Hamburger Schauspielhauses
Jessica Cortez
Rettung mit Remmidemmi?
Hamburg, 4. Oktober 2010. Überraschendes wird aus Hamburg vermeldet: Bei Bürgermeister Christoph Ahlhaus ist laut Hamburger Abendblatt eine erste Bewerbung für das Intendanten-Amt am Schauspielhaus eingegangen, über deren Ernsthaftigkeit spekuliert werden darf. Sie stammt von dem 53jährigen Schauspieler und Regisseur Claude-Oliver Rudolph, der bis auf die Anfangsjahre seiner Karriere, in denen er in Bochum und Berlin (u.a. für Werner Schroeter und Peter Zadek) auf der Bühne stand, vor allem im Film-Geschäft tätig war und vom Abendblatt als "Kino-Bösewicht und Film-Schläger" apostrophiert wird.
Nach dem Tod von Peter Zadek, Werner Schroeter und Christoph Schlingensief sei er einer der letzten Überlebenden der großen Zadek-Ära, soll Rudolph seine Bewerbung begründet haben. Der "Bild am Sonntag" zufolge (auf die sich das Abendblatt in seiner Meldung beruft) hat Rudolph außerdem bereits erste Ideen für einen Ausweg aus der Schauspielhaus-Krise skizziert. Um Publikum anzulocken und die Einnahmesituation zu verbessern, müsse man "Remmidemmi" machen – mit Künstlern wie Helge Schneider, Rammstein oder den Einstürzenden Neubauten.
Laut Wikipedia-Eintrag, in dem auch die Filmografie nachzulesen ist, war Rudolph ein Schulkamerad von Herbert Grönemeyer am Bochumer Gymnasium, studierte Philosophie, Psychologie, Romanistik in Bochum sowie Film und Regie am Musischen Zentrum in München und außerdem Theaterwissenschaften an der LMU München. Dazu kommen ein Regievolontariat bei Jiří Menzel und ein Besuch im Seminar von Lee Strasberg in Bochum. Mit Volker Spengler stand Rudolph einst für Jean Genets "Unter Aufsicht" auf der Bühne. Ansonsten hat er in einem James-Bond-Film mitgewirkt ("Die Welt ist nicht genug"), ist die neue Synchronstimme von Mickey Rourke, war mal Deutscher Meister im Judo und ist amtierender europäischer Kontinentalpräsident des World Fight Club.
Vakant geworden war der Hamburger Intendanten-Posten, nachdem Friedrich Schirmer Mitte September überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte.
(Hamburger Abendblatt / Wikipedia / ape)
Hier finden Sie eine ausführliche Chronik zur Debatte um das Deutschen Schauspielhaus.
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