Prestige Review

Juicy gossip stories with tabloid heat.

general

Süddeutsche Zeitung – Christine Dössel über die Krise der Münchner Kammerspiele

Writer William Burgess

"Langweilig, vordergründig, sofort durchschaubar."

8. April 2023. Die Münchner Kammerspielen können im Zeitraum Oktober bis Ende Februar nur 55 Prozent Auslastung vorweisen. Miserable Zahlen, die die Frage provozieren: Wieso steckt das legendäre Haus in der Krise?

Christine Dössel hakt in der bayrischen Landeshauptstadt nach und kommt in der Süddeutschen Zeitung schnell zur Diagnose: Die alamierende Situation des Hauses hänge an Barbara Mundels Programm. Die Intendantin fahre "mit ihrem Ansatz von Diversität, Inklusion und Artivismus einen Kurs woker politischer Theaterkorrektheit, der kaum ankommt".

Ein Aufpasser soll es richten

München reagiere auf die schwierige Situation mit einem "Kammer-Rat". Aufgrund der schlechten Auslastungen und der damit verbundenen wirtschaftlichen Defizite werde den Kammerspielen eine Art Aufpasser der Stadtregierung zur Seite gestellt: "ein Novum in der deutschen Theaterlandschaft", stellt Dössel fest. Die Autorin sieht den Vorgang kritisch und erinnert an Mundels Vorgänger: "Als Matthias Lilienthal in seiner Zeit an den Kammerspielen Schwierigkeiten hatte, gab es in der Stadt wenigstens hitzige Debatten, Kämpfe zwischen Fans und Feinden. Es ging um was. Jetzt zucken viele nur noch mit den Achseln."

Dieses Desinteresse sei für die Münchner Kammerspiele schlimmer als die Frontenbildung, die durch Lilienthals Intendanz gewachsen seien. Und Dössel findet in ihrem Text klare Worte für den aktuellen Fahrplan des Hauses unter Barbara Mundel: "Die Abkehr von Sprache, Literatur und klassischen Stücken zugunsten einer sozio- und diskurspolitischen Agenda mit Interventionen, Themenfestivals, 'Sisterhoods' geht am Kerngeschäft des Theaters vorbei – auch an der Stadt." Darunter falle auch die "Antigone"-Inszenierung vom Februar, die nach inklusiven Theater strebe aber letztendlich nur krampfhafte Positivität produziere.

Politisch korrekt aber ohne künstlerische Vision

Christine Dössel fehlt zwischen all den wichtigen und ehrenwerten Versuchen der Kammerspiele ein entscheidender Punkt: die Kunst. Wie eine Vision aussehen könnte und wie sich Barabara Mundel zu den Vorwürfen verhält, ist in der Süddeutschen Zeitung (€) nachlesbar.

(Süddeutsche Zeitung / ska)

Wir halten Sie auf dem Laufenden

Wir sichten täglich, was in Zeitungen, Onlinemedien, Pressemitteilungen und auf Social Media zum Theater erscheint, wählen aus, recherchieren nach und fassen zusammen. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrem finanziellen Beitrag.