Südthüringisches Staatstheater Meiningen
Jessica Cortez
Medea - Patric Seibert sampelt in Meiningen aus vielen bekannten Medeas eine neue zusammen
Schlüsselfigur aller Zeiten
von Matthias Schmidt
Meiningen, 24. November 2016. Durch Euripides ist sie uns als die Kindsmörderin bekannt, seit Christa Wolf als eine Frau, die zum Opfer gemacht wurde, indem Mann sie zur Täterin machte. Und Heiner Müller sagte einmal auf die Frage, wer seine Medea sei, das könne jeder selbst entscheiden, "sie kann auch eine Türkin in der Bundesrepublik sein." Bei Patric Seibert, leitender Dramaturg am Südthüringischen Staatstheater in Meiningen und nun verantwortlich für eine neue Fassung des Stoffes, lebt Medea in einem Rot-Kreuz-Flüchtlingszelt. Ein Bild wie aus den Nachrichten. Ein Lager auf Lesbos? Die Frau aus Kolchis, die mit ihrem Mann Jason nach Korinth kam, eine Art Inbegriff der aktuellen Flüchtlingslage? So lässt sich, auf den ersten Blick, das ziemlich plakative Bühnenbild verstehen. Am Ende hat es sich als deutlich zu plakativ für das herausgestellt, was Seibert auf der Bühne der Meininger Kammerspiele aus zahlreichen Fassungen der "Medea" zusammengestellt hat. Seiberts neue "Medea" ist kluges Theater für den Kopf und eben kein plumpes politisches Aktualisieren einer irgendwie auf Heutiges passenden mythologischen Vorlage.