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SZ – René Heinersdorff zur Ökonomie der Privattheater

Writer Andrew Walker

Müssen zweieinhalb Tausend Abendgage sein?

30. September 2022. Der Boulevard-Theatermacher, Autor, Regisseur und Schauspieler René Heinersdorff wird nach den von ihm geleiteten Häusern in Köln, Essen, Düsseldorf und München demnächst auch die Leitung am städtischen Theater in Neuwied übernehmen. Er ist gefragt, als jemand, "der auch über Geld redet", und spricht als solcher mit dem Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung (€).

Den Privattheatern stehe ein "wirtschaftlich schwieriger Herbst" bevor, erzählt Heinersdorff. Die Planungssicherheit schrumpfe, Leute buchten Tickets anders als früher heute äußerst kurzfristig. Die Auslastung liege derzeit bei 25 bis 30 Prozent (gegenüber 65 bis 75 Prozent vor Corona). Ein Pfund, um das Publikum wieder zu gewinnen, sind für Heinersdorff leichte Stoffe, weil "Komödie besser geeignet ist, die Leute zurückzulocken, als wenn wir sagen, wir experimentieren ästhetisch, wir bringen dramatische Stoffe nach vorne, auch wenn ich die persönlich wichtig finde".

Zugleich mahnt Heinersdorff im Interview zur Sparsamkeit. Er selbst verzichte schon mal auf Teile seiner Gage als Schauspieler, wenn die Vorstellung schlecht besucht war. Die Geschäftsführung an der Komödie im Bayerischen Hof München übe er ehrenamtlich aus.

Mit Forderungen nach einem Höchstgehalt für Künstler:innen sei er als Vorsitzender der Privattheatergruppe im Deutschen Bühnenverein angeeckt. Heinersdorff: "Müssen zweieinhalb bis dreitausend Euro Gage am Abend für einen Gast an geförderten Häusern sein? Auch mein Vorschlag, dass alle Intendanten mit einem 13. Monatsgehalt auf dieses im Lockdown verzichten sollten, als Geste nach draußen und als Beitrag an die Gesellschaft, fand keine Zustimmung."

Auf eine ähnliche Abwehrhaltung sei er in Etat-Diskussionen gestoßen, etwa mit dem Vorschlag, die während der Corona-Zeit eingesparten Produktionsgelder an den "Steuerzahler" zurückzugeben, "immerhin sind es Steuergelder". Beim aktuellen Trend zur "Nachhaltisierung" sieht Heinersdorff die traditionell stark auf ihre Kosten schauenden Privattheater in einer Vorreiterrolle.

(sueddeutsche.de / chr)

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